Urbanism

Ried

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Planung Ried - Ein neuer Ortsteil für Köniz bei Bern, 2008
Offener Planungswettbewerb, mit durrerarchitekten

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Seit Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts wurden in Bern und den angrenzenden Gemeinden eine Serie moderner Wohnbauprojekte erstellt, welche dank Ihrer konsequenten und teils sogar radikalen Konzeption - in Bezug auf Massstäblichkeit und Organisation - neue Zentralitäten in der Peripherie von Bern zu schaffen vermochten. Diese Archipel bauen Ihre Identität nicht auf gegenwärtig so modische stadtebäuliche Konzepte wie Stil (die Gebäudehülle als letztes Refugium der Planer) oder Katalog-Urbanismus (Alles-ist-möglich: ein Mosaik der Indifferenzen). Vielmehr waren es grundsätzliche Versuche, auf gesellschaftliche Entwicklungen und Bedürfnisse - Wohnungsmangel, Massenmotorisierung, suburbane Expansion und Stadtflucht - zu reagieren und angemessene Wohnformen und Siedlungstypologien anzubieten. Diese Antworten mögen heute teils als erfolgreiche städtebauliche Projekte gelten, teils als typische Fehlplanungen jener Zeit: Jedes für sich besitzt jedoch dank seiner städtebaulichen Einheit eine eigenständige, klar identifizierbare Identität, unterscheidbar von anderen Stadtteilen; als Konstellation charakteristischer urbaner Artefakte ermöglichen sie eine alternative Lesart der wachsenden Stadt-Region Bern, in der -nebst der Wahrnehmung der Stadt als Mittelpunkt-Peripherie-Gegensatz oder der Stadt als blosses Netzwerk von Infrastrukturen und Mobilität - das Wohnen in seiner Essenz ein konstituierender Bestandteil ist.

Soziologische Untersuchungen des letzten Jahrzehnts weisen auf einen bemerkenswerten Wandel der Haushaltsformen in der Schweiz hin. Neben und anstelle des Kleinfamilienhaushalts entwickeln sich neue Haushaltstypen, der Wandel der Lebensstile führt zu einer Ausdifferenzierung der Bewohner und ihrer Bedürfnisse. Die Veränderung des Verhältnisses Wohnen-Arbeiten (Arbeiten zu Hause, Teilzeitarbeit, dienstleistungsorientierte Kleinfirmen) beginnt die räumliche Trennung Wohnen-Arbeiten aufzweichen.

Die Vorstellung vom Arbeiten im Stadtzentrum und der ‘Schlafsiedlung’ in der Peripherie hinter sich lassend liegt dem Planungsvorschlag ein Konzept zugrunde, welches bauliche Entwicklungsmöglichkeit und Nutzungsflexibilität in hohem Grad ermöglicht. Basis dafür bildet eine verdichtete, flache Bebauung, in der die Mehrzahl der Wohneinheiten auf der eigenen Parzelle steht. Diese Gebäudetypologie kombiniert die Vorteile des nachgefragten Eigenheimwohnens im Grünen (eigener Aussenraum, hohe Individualität, Verfügbarkeit des Aussen-und Innenraumes, Erweiterungsmöglichkeit) mit den ökonomischen Vorteilen einer dichten Bauform (kollektive Infrastruktur wie Parking und technische Ausrüstung, Kosteneffizienz): Reihenhaustypologien, Flachbauten mit hoher Dichte, Atelierhäuser, Duplexwohnungen etc. Die einzelne Parzelle bildet die Basis für eine individuelle, vielfältige Nutzung (Erdgeschosse können individuell gewerblich als auch zu Wohnzwecken genutzt werden) und die langfristige Entwicklung (Jede Parzelle ist –analog zu Einfamilienhäusern- individuell erweiterbar: Anbauten, Aufbauten, Annexbauten).

Zugunsten des öffentlichen Raumes werden an den Rändern der Baufelder (jedes mit ca 50-200 Wohneinheiten) einige essentielle Rahmenbedingungen formuliert: Erschliessung und Strassenräume, Höhenentwicklung und Umriss der Baufelder, Grünräume. Jenseits dieser Regeln - und bedingt durch diese - ist über die nächsten Jahrzehnte eine maximale Freiheit in der Erstellung von innovativen Bautypologien und Nutzungen möglich. Anstatt einer Planung mittels abstrakter Bauzonen (Wohnen, Wohngewerbe, hohe bzw geringe Dichte) wird die zukünftige Entwicklung durch räumlich relevante Parameter gesteuert.

www.durrerarchitekten.ch


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