Research

Urban Design

 

Eine Untersuchung über Urban Design, 2005
In Zusammenarbeit mit Pier Vittorio Aureli

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Urban Design wurde 1956 an der Harvard Universität etabliert als eine Reaktion auf technokratische Planung und das Auftreten von Sprawl. Der Begriff ‚Urban Design’ wurde geprägt von Jose Lluis Sert und begründete ein neues Tätigkeitsfeld, welches sich mit der Formbildung und der räumlichen Qualität der Stadt befasste. Von den 50iger bis zu den 70iger Jahren war das Gebiet Urban Design die Arena für die Konfrontation von gegensätztlichen Ideologien über die Idee der Stadt, vom letzten CIAM-Treffen zu Team X, von der Tendenza zu Metabolismus, von Radical Design zu OMA’s Wiederentdeckung der Metropolis. Von den 80iger Jahren an wurde Urban Design, trotz radikalen Anfängen, unwichtiger und diente allenfalls noch kommerziellen oder anachronistischen Ideen.
Heutzutage ist schon die Idee vom Machen der Stadt moralisch inakzeptabel: Seit die Stadt als Produkt von unkontrollierbaren und diffusen sozialen und wirtschaftlichen Entwicklungen gesehen wird, sind Architekten gezwungen, sie als unbekannte Grösse -schiere Natur- zu sehen. Diese wird entweder repräsentiert als Reality-as-found oder durch eine wachsende Ansammlung von Komplexität und Widersprüchen. Innerhalb dieses Szenarios, wo die Stadt als unkontrollierbar wachsender und selbstorganisierender Organismus wahrgenommen wird, scheint sich die Kultur unseres Berufes einerseits zurückzuziehen in eine fetischistische Zelebrierung ihrer Werte als ‚Shape’ und ‚Identität’ oder tendiert andererseits zu einer Verschmelzung mit Konzepten und Massstäben, welche längst nicht mehr vermittelbar sind mit dem Vokabular der eigenen Disziplin. Programming, Branding, Labeling, Mapping, Marketing etc. werden als operative Alternativen
angepriesen. Kurzlebige Paradigmen aus der Wirtschaft und anderen Disziplinen bestimmen die Richtung des Diskurses, in welchem die Stadt als identifizierbarer Ort mit lesbarer Form und als Laboratorium für urbanes Bewusstsein negiert wird.
Trotzdem ist die Stadt als erkennbarer Ort für soziale Interaktion und Repräsentation, als Mittelpunkt, noch immer da, in einer wahrnehmbaren und dichten Form. Jüngste geopolitische Ereignisse zeigen, dass das Konzept von Zentralität nicht einfach ersetzt werden kann durch andere Organisationsformen, politische oder ökonomische Systeme. Selbst der omnipräsente Massstab von Globalisierung und darin beispielsweise der populäre Begriff der Stadt-als-Region bieten keine vollwertige Alternative dazu. Aufbauend auf der starken Ueberzeugung dass Urban Design auch heute noch von Relevanz ist, müssen wir trotzdem unterschiedliche Kriterien als jene von vor fünfzig Jahren adoptieren. Die konservative Agenda des US-amerikanischen ‚Congress for the new Urbanism’ etwa bezieht sich direkt auf Urban Design Prinzipien in den 80iger Jahren. Diese Art von traditionalistischer Praxis verfehlt es jedoch, die zeitgenössischen Zustände des urbanen Territoriums zu erkennen und progressiv zu adressieren. Soziale und kulturelle Entwicklungen und Differenzen werden ignoriert oder ausgesondert.
Die Frage welche sich stellt, ist deshalb, ob es möglich ist, eine zeitgemässe Agenda für ‚Urban Design’ als produktive Disziplin zu etablieren; eine Disziplin welche in Ihrer Form klar und lesbar unsere kulturellen und politischen Realitäten repräsentieren kann. Ausgangspunkte sind Themen wie Dimension und Form des urbanen Projekts.

Urban Design Chart (2mb)
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