Buildings

Zentrumsentwicklung Küsnacht

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Zentrumsentwicklung Küsnacht, 2012-2020
Offener zweistufiger Projektwettbewerb, mit urbaNplus, 1.Preis

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Städtebau
Die morphologische Struktur der Bauten zwischen Strasse und Gleisfeld ist charakterisiert durch feinkörnige Einzel-bauten, das heutige Parkplatzareal bildet in dieser Aufreihung von Einzelbauten eine noch unbebaute Lücke. Ausgehend von dieser Lesart werden zwei neue schlanke Gebäude als Fortsetzung der bestehenden Bauten vorgeschlagen: Ein quadratisches 17.5m x 17.5m messendes im Norden und ein längliches 27.5m x 14m grosses im Süden des Perimeters. Zwischen diesen beiden Baukörpern spannt sich der neue 30 x 60m grosse Platzraum auf. Seeseitig und hangseitig bleibt der Platz frei von Gebäuden. In das seeseitige Ende des Platzes ist der Aufgang der erneuerten Fussgänger- und Veloverbindung unter den Gleisen hindurch repräsentativ integriert, zur Strasse hin öffnet sich der Platz und kann auch als Ausweitung des Strassenraums gelesen werden.

Nutzung und Platzgestaltung
Die Platzfläche ist als weitläufige, für die Öffentlichkeit zugängliche Ebene ausgebildet. Auf dieser Ebene stehen die beiden neuen Gebäude, aus der Ebene 'ausgeschnitten' sind die Abgänge in die Gleisunterführung wie auch kleinmasstäblichere, differenzierte Aussenräume im Westen der Neubauten. Die weitläufige Platzfläche wird somit zu einer Art Plattform, einer von der Öffentlichkeit bespielbaren Bühne, welche zugleich unterschiedlichste Anforderungen, Nutzungen und Raumprogramme miteinander in Beziehung bringen kann. Der nördliche Neubau ist eine Art Kulturgebäude mit Bistro im Erdgeschoss, Versammlungsraum, Familienzentrum, Ludothek in den Obergeschossen sowie einer Bibliothek mit davorliegendem Skulpturengarten im Untergeschoss. Der südliche Neubau ist ein Wohngebäude mit Ladennutzung im Erdgeschoss und Untergeschoss. Sämtliche Zugänge und Treppenanlagen zu den Obergeschossen und der Tiefgarage unter Terrain sind in die transparent verglasten Erdgeschosse integriert. Der zentral liegende, von den beiden Neubauten gesäumte Platzraum wird mit einer artenreichen Baumgesellschaft bepflanzt. Dank der durchlässigen Anordnung und der zum Teil sehr hohen Aufastung der Bäume bleibt der Platz vielfältig nutzbar, z.B. auch für Veranstaltungen. Der Habitus der Bäume ist sehr unterschiedlich, jede Baumart hat ihren eigenen Charakter in Form, Grösse, Wuchsverhalten und Blatt.

Erschliessung, Verkehr, Parking
Die Ost-West-Verbindung der beiden Gleisseiten erfolgt weiterhin über die bestehende Gleisunterführung, diese wird verbreitert und mit Aufzügen und neuen Treppen übersichtlich und attraktiv erschlossen. Neu wird je eine Velorampe den Mittelperron und den seeseitigen Bahnhofplatz erschliessen, die grössere Höhendifferenz zum neuen Platz hangseitig wird mit einer etwas flacheren, 67.5m langen neuen Rampe bequem bewältigt. Öffnungen in der Grenzmauer zwischen Rampe und Gleisfeld vermitteln räumliche Weite und Blickbeziehungen zum Gleisfeld. Die neue Einstellhalle mit 201 Parkplätzen auf 3 Ebenen liegt kompakt zwischen zwei gewendelten Rampen am Ostrand der Parzelle. Durch diese Positionierung bleibt der neue Platz frei von Unterkellerungen und bietet ausreichend Wurzelraum für eine stattliche Baumbepflanzung.

Architektur und Repräsentation
Die beiden gegenüberliegenden und den Platz nördlich und südlich flankierenden Bauten sind in ihrem architektonischen Ausdruck grundsätzlich gleich behandelt. Einzig die variierenden Geschosshöhen und die Feingliederung der Fassaden und Fensterprofile differenzieren das Gebäude mit den fast ausschliesslich öffentlichen Nutzungen im Norden von dem südlich angeordneten Baukörper mit den Wohnungen in den drei oberen Geschossen. Typologische und räumlich-organisatorische Überlegungen sowie strukturelles Prinzip und Materialität bilden eine konzeptionelle Einheit und verleihen der Architektur der Bauten und somit dem Ort einen spezifischen und repräsentativen Charakter: Die auf einen vielfältigen Gebrauch hin offen konzipierten Baukörper sind einerseits zurückhaltend und schlicht gestaltet, erhalten jedoch über die markante Ausformulierung des plastisch modulierten Abfanggeschosses, sowie den diagonal abgedrehten konischen Stützen einen eigentümlichen, fast festlich anmutenden Ausdruck und demonstrieren ein ‚Vokabular öffentlicher Architektur' für die transparent gestalteten Erdgeschossbereiche. Die zurückgesetzten Glasfassaden der Erdgeschosse können im Sommer über grosszügige Schiebetüren weit geöffnet werden und verstärken somit die Beziehung von aussen- und Innenraum zusätzlich.

Landschaft:
Alexander Schmid Landschaftsarchitektur, Zürich

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