Buildings

1000 Plateaux

029 

Sportanlage Lienisberg, Walchwil, 2011
Projektwettbewerb mit Präqualifikation, mit Jan Kinsbergen Architekt, 1.Preis

Walch_bild_aussen.jpgWalch_situationsplan.jpgWalch_grundrissplan.jpgWalch_struktur.jpgWalch_bild_terrasse.jpg
Ort
Die landschaftliche Charakteristik des Lienisberges ist geprägt durch einen talartigen Raum, dessen Sohle durch ein in Nord-Süd Richtung verlaufendes Plateau gezeichnet ist. Innerhalb dieses sanft modulierten voralpinen Landschaftsraumes bilden die künstlich angelegten Spiel-, Trainings- und Aufenthaltsflächen eine in die Talsole eingefügte und der Lienisbergstrasse entlang angeordnete Abfolge von Plateaus. Die Gebäude werden ähnlich wie die Spielflächen als Ebenen verstanden, die gleichsam auf einem Sockel ruhend, in der weichen Oberfläche der Talsole verankert sind. Die Anordnung des neuen Garderobengebäudes sowie die separat geplante Erweiterung mit Turnhalle/Multifunktionsraum bilden ähnlich den vorherrschenden morphologischen Strukturen von landwirtschaftlichen Gehöfen eine Komposition von Gebäuden, welche Außenräume unterschiedlichster Qualitäten formulieren und den vielfachen Benutzergruppen als Aufenthaltsräume dienen. Diese Aufteilung ermöglicht zudem eine einfache Etappierbarkeit der geplanten Erweiterung unter Beibehaltung des Fußballbetriebes.
Die Konzentration auf ein quadratisches Gebäudevolumen an der südöstlichen Ecke des Fußballfeldes und unmittelbar an der Lienisbergstrasse liegend, vermeidet eine ‚Riegelwirkung' in Nord-Süd Richtung, und ermöglicht neu die räumliche Kontinuität des Tales aus verschiedenen Standpunkten wahrzunehmen. Jede Seite des Gebäudes erhält durch diese Maßnahme eine spezifische Bedeutung und Zuordnung der verschiedenartigen Nutzungsanforderungen. Diese nicht-hierarchisierende Ausrichtung unterstützt die Empfehlungen des „Entwicklungsleitbildes Zuger-/Walchwiler-/Rossberg“, welches die Anlage zukünftig neben ihrer Funktion als Fussball-Infrastruktur auch als Ausgangpunkt für den Naherholungsraum vorsieht. Die auf der Südseite des neuen Gebäudes angeordnete Parkierung bildet den Endpunkt für die Zufahrenden und damit gleichzeitig den Ausgangspunkt für attraktive Naherholung, wobei an der Nordseite des Gebäudes konsequenterweise keine Parkplätze mehr vorgesehen sind.

Landschaft
Die versetzte Positionierung der Gebäude im Tal entspricht der Baukultur und ist einerseits für die Bauabschnitte sinnvoll. Andererseits werden durch diese Geste auch die Natur- und Erholungswerte respektiert und gesteigert. Der Talraum bleibt offen für Sonne, Wind und Wasser, für Pflanzen, Tiere und Mensch. Wie Trittsteine werden intensiv genutzte Anlagenteile in die eher extensive Kultur- und Naturlandschaft gesetzt. Hier im Tal des Lienisberges, beim Ausgangspunkt im Erholungsgebiet, fliesst das gesamte Wasser der national geschützten Moorlandschaft Walchwilerberg im Lotenbach an der Sportanlage vorbei in den Zugersee. Es wird offensichtlich, die Sportplätze sind nicht Umgebung zum Gebäude, sie sind Teil der Naturlandschaft.
Das Aussenraumkonzept sieht deshalb eine Differenzierung dieser Naturflächen mit entsprechender Besucherlenkung vor. Eher intensive Anlagenteile werden von eher extensiven Anlagenteilen in Bezug auf Erstellung, Nutzung und Pflege unterschieden. Als intensive Anlagenteile bezeichnen wir die Sportplatzflächen mit dem Strassenbereich, der Grill- und Spielplatz und der leicht erhöhte Rastplatz mit den 5 Eichen. Als eher extensive Anlagenteile sehen wir die Übergangsflächen zur Kulturlandschaft. Dazu gehören Einzelgehölze, die Wiesen, der Bach, die Hecken und Säume.
Als sensible Integration der Anlage in die Naturlandschaft gilt auch die ökologische Aufwertung des Lotenbaches als Naturkulisse. Während die rechte, dem Hang zugewandte Seite pflegend ausgelichtet werden soll, erhält der Bach auf der linken Seite mehr Raum mit einzelnen Solitärgehölzen. Trockene, feuchte und nasse Zonen wechseln sich je nach Wasserstand ab. Als Erosionsschutz beim Spielfeld dienen Steinblöcke aus Kalk- und Sandsteinen. Sie schaffen einen interessanten Naturbeobachtungsweg am Rand des Platzes und akzentuieren das Plateau im Tal.

Architektur
Das im Grundriss quadratische Volumen wird in die vier Bereiche Clubraum mit Restauration, Garderoben, Trainingsraum sowie Neben-/Materialräume unterteilt. Jeder dieser Bereiche ist auf je eine Seite des Gebäudes ausgerichtet, wodurch ein betriebliches Entflechten der unterschiedlichen Nutzungen mit zugehörigen Eingängen möglich ist. Der Trainingsraum sowie der Clubraum bilden im Prinzip die Leerräume, welche über die zwei seitlich angeordneten mit massiven Wänden umfassten Nebenraumbereiche definiert werden. Durch dieses Spiel voller und leerer Räume entsteht ein kompaktes und räumlich vielfältiges Volumen mit einem hohen Grad an Transparenz, welches mit relativ geringen inneren Erschließungsflächen auskommt.
Zwei Stützen charakterisieren den zum Fußballplatz hin offenen Clubraum der über großzügige Schiebefenster im Sommer praktisch vollends geöffnet werden kann. Ein auf den Stützen sowie Wänden liegendes kräftiges Dach von 28 mal 28m spannt sich über alle Nutzungsbereiche, und bildet über ausladende Vordächer eine erweiterte Raum- und Erschließungsschicht vor Garderoben, Clubraum, Eingang und Trainingsraum.
Diese stark ausgeprägte Horizontalität des begrünten Daches zeichnet die Ebene der Talsohle nach und kann je nach Perspektive als Teil dieser Ebene, oder aber auch als ein eigenständiger Gebäudekörper wahrgenommen werden, welcher der sanft hügeligen Tallandschaft auch ein kontrastierendes horizontales Moment gegenüber zu setzen vermag.

Auftraggeber: Gemeinde Walchwil, Zug

Landschaft: Raymond Vogel Landschaften, Zürich

Tragwerk: Ulaga Partner Bauingenieure, Basel

Energie: Amstein + Walthert, Zürich






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