Buildings

FH Campus Biel

047 

Neubau Campus Biel-Bienne, Berner Fachhochschule, 2015
Offener Projektwettbewerb, mit Jan Kinsbergen Architekt, 2.Preis

CampusAussenSW.jpgCampus-Situation.jpgCampus-Zirkulationsaxo.jpgCampusStrukturaxo.jpgCampus-Atrium-SW.jpg
Städtebau
Für den Neubau des FH Campus Biel wird ein kräftiger, im Grundriss rechteckiger Gebäudekörper vorgeschlagen, welcher selbstbewusst die Fläche des Perimeters besetzt und - sich von Johann-Aeberli- bis zur Aarberg-Strasse ausdehnend – diesen in zwei Bereiche unterteilt. Das zwischen Objekt und städtebaulichem Baustein oszillierende Volumen orientiert sich geometrisch an der Bebauungsstruktur der grossen Hallenbauten des Centre Bahnhof/Coop. Dadurch entsteht ein grosser dreieckiger Platz auf der Nordwestseite des Baukörpers entlang der Marcelin-Chipot-Strasse – dieser signalisiert mit seiner grosszügigen Öffentlichkeit die Hauptadresse des Campus-Neubaus. Vom
südwestlichen Bahnhofzugang entsteht dadurch bis zur Aarbergstrasse eine Abfolge von zwei geometrisch ähnlichen Freiräumen welche den Auftakt der Fussgängerachse Bahnhof-See verstärkt artikulieren. Der kompakt organisierte Baukörper wird seitens der Längsfassade soweit nach Nordwesten geschoben, dass einerseits die Docteur-Schneider-Strasse über die Aarbergstrasse unmittelbar in den neuen öffentlichen Platz mündet, auf der Südostseite andererseits genügend Fläche für die zukünftige Erweiterung geschaffen werden kann. Der gesamte Bebauungs-Perimeter des ehemaligen Feldschlösschen-Areals bildet im Prinzip einen zusammenhängenden ‚öffentlichen Teppich’ zwischen Marcelin-Chipot-Strasse und Salzhausstrasse, welcher durch den ihn beinahe mittig besetzenden Baukörper in zwei Aussenräume mit unterschiedlicher Charakteristika unterteilt wird: Der erwähnte öffentliche Platz im Nordwesten, sowie ein mit Pappeln bepflanzter, als Pausen- und Aufenthaltsraum der Studierenden und Angestellten gestalteter Freiraum im Südosten. Das poröse und mit allseitigen Zugängen organisierte Erdgeschoss wird Teil dieser Öffentlichkeit und vermittelt zwischen diesen verschiedenartigen Aussenräumen. Durch die konzentrierte Anordnung der Baumasse auf der Nordwestseite des Areals sind drei unterschiedliche Bebauungszustände denkbar: In einer ersten Phase kann der Neubau erstellt werden ohne dass die bestehenden Bauten entlang der Salzhausstrasse tangiert werden müssen. In einer 2. Phase – nach Begradigung der Salzhausstrasse - wird der südöstliche Bereich mit der erwähnten Aussenraumgestaltung neu organisiert. Das daraus entstehende Baumvolumen wird zum Platzhalter für den zukünftigen Erweiterungsbau und zeichnet dessen mögliche Volumetrie vor. Die durch die schiere Grösse des Raumprogramms ausgereizte Gebäudehöhe von 30m bewirkt, dass der Baukörper die umliegenden Bauten um 2-3 Geschosse überragt; der Neubau des Campus erhält entsprechend seiner Bedeutung als öffentliches Gebäude der Wissensvermittlung und Forschung auch in der Stadt-Silhouette eine Prägnanz und Fernwirkung.

Architektur
Der in seinem architektonischen Ausdruck kräftige, von strukturellen Elementen geprägte Baukörper demonstriert ein vielfältiges Vokabular an Öffentlichkeit. Dieses Vokabular definiert primär über die architektonische Artikulierung des Erdgeschosses sowie über die eher abstrakt und repetitiv
ausformulierte Fassade, die Beziehung des Gebäudevolumens zum öffentlichen Raum. Das scheinbar auf bloss 12 wuchtigen und leicht vorstehenden Stützen stehende, siebengeschossige
Gebäudevolumen ermöglicht die Ausformulierung eines beinahe allseitig transparenten Erdgeschosses – eine Art ‚öffentliche Fuge’ - von rund 3.5m Höhe. Diese Geste wird durch die entlang den vier Fassaden im 1. Obergeschoss angeordneten Fachwerkträger ermöglicht, welche die Fassadenlasten auf die wenigen Stützen verteilen. Nach dem Durchschreiten des rund 14m breiten, an der Nordwestfassade liegenden Haupteinganges erreicht man ein mit einem lichtdurchlässigen Dach überdecktes Atrium mit den stattlichen Dimensionen von 24m Länge, 64m Breite und 28.7m Höhe. Das Atrium dient als zentraler Begegnungs-, Aufenthalts und Erschliessungsraum welcher die Öffentlichkeit der aussenliegenden Plätze kraftvoll ins Gebäudeinnere überträgt. Dieser zentrale öffentliche Atrium-Raum wird über eine Rampen- und Treppenerschliessung drei-dimensional erfahrbar gemacht: Direkt anschliessend an den Eingangsbereich führt eine grosszügige, flach geneigte Rampe in das 1.Obergeschoss mit den Seminarräumen. Von da werden die einzelnen Abteilungen über eine Kaskadentreppe erschlossen. Jedes Zwischenpodest markiert die Lage der Adressen und Empfänge der Identitätsstiftenden Einheiten. Endpunkt dieses Parcours bildet schliesslich eine grosse, öffentlich zugängliche Terrasse mit Fernblick auf See und Jurasüdfusskette. Im Innenraum ist dieses oberste Geschoss geprägt von der Horizontalität der das gesamte Gebäude überspannenden, licht-durchlässigen Dachstruktur aus eindrücklichen Holzträgern. Die Nutzungen des Zentralbereiches sind im Erdgeschoss peripher um das Atrium angeordnet und über dieses zugänglich. Der Gastraum sowie die Cafeteria sind auf den öffentlichen Platz auf der Nordwestseite ausgerichtet, der Bibliotheksbereich orientiert sich auf die südöstliche Seite mit im 1. Untergeschoss angeordnetem Werkhof und Aufenthaltsbereich mit Baumdach. Vom Atrium aus sind auch die vier vertikalen Erschliessungskerne in jeder Ecke des Gebäudes erreichbar. Die Aula/Campus Hall besetzt die relativ prominente Südwestseite des Erdgeschosses an der Ecke Marcelin-Chipot-Strasse / Aarbergstrasse und de-
monstriert ihre visuelle Präsenz gleichermassen zum Atrium wie auch zum öffentlichen vorgelagerten Platz. Bei grossen Veranstaltungen ist die Aula direkt über diesen zugänglich.

Auftraggeber: Amt für Grundstücke und Gebäude des Kantons Bern

Landschaft: Haag Landschaftsarchitektur GmbH, Zürich

Tragwerk: Ulaga Partner Bauingenieure, Basel

Klima- und Energietechnik: Todt Gmür + Partner AG, Zürich

Visulalisierungen: nightnurse images GmbH, Zürich

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